Königinnenzucht

Wir haben heuer mit der Königinnenzucht begonnen. Einerseits wollen wir den eigenen Bedarf an jungen Königinnen abdecken, andererseits den Überschuss bei Erfolg auch verkaufen.

Die Geräte für die Zucht haben wir im Imkerfachhandel besorgt. Die Zuchtlatten für die Anpflege und Fertigpflege haben wir selbst gebastelt.

Vorab wird ein geeignetes Volk mit den gewünschten Parametern ausgewählt. Wir legen sehr großen Wert auf Sanftmut und Schwarmträgheit. Dies ist unbedingt erforderlich, da wir unsere Bienenstände im eigenen Garten haben und unseren Nachbarn Schwärme und stechlustige Bienen nicht zumuten wollen. Natürlich ist es in unserem Sinn, nur sehr vitale Völker mit entsprechendem Hygieneverhalten zu züchten. Dies ist in Zeiten von Varroen und Umweltgiften  ein nicht zu unterschätzender Zuchtwert. Andererseits sollte natürlich auch die Honigleistung entsprechen.

Seit zwei Jahren beobachten wir unsere Bienen und führen schriftliche Aufzeichnungen, um die erforderlichen Informationen bezüglich des besten Zuchtstoffes zu erhalten.

Als erster Schritt wird ein Pflegevolk erstellt, das die Anzucht und Pflege der jungen Larven bis zum Schlupf der jungen Königin übernimmt. Normalerweise wird die Anpflege in einem weisellosen Volk (ohne Königin) durchgeführt. Die Erfolgsquote bei der Annahme der Larven ist dabei am Höchsten. Nach ein bis zwei Tagen wird die Zuchtlatte mit den angepflegten Larven in ein weiselrichtiges Volk in den Honigraum über ein Absperrgitter gehängt.

Wir haben uns entschlossen, einen Versuch zu machen und einen neuen Weg der Königinnenzucht zu gehen. Wir entnahmen verdeckelte Brut samt den ansitzenden Bienen aus den stärksten Völkern und füllten damit eine ganze Zarge. Zusätzlich kommen ausreichend Honigwaben und Pollenwaben hinein. Die Zarge wird auf einen neuen Boden gesetzt und mit Isolierdeckel geschlossen. Sind die Bienen einer Brutwabe geschlüpft, ersetzen wir sie mit einer neuen Brutwabe, diesmal ohne ansitzende Biene. Damit bekommen wir ausreichend junge Pflegebienen in das Pflegevolk. Und zusätzlich gibt es immer kleine Futtergaben, Honig und Pollen aus starken Völkern. Ich verwende zur Königinnenzucht nur natürliches Futter.

Unser Pflegevolk

Vor dem Belarven der Zuchtlatte geben wir je einen Tropfen Honig in die Kunstweiselnäpfchen und setzen die Latte in das Zuchtvolk ein. Die Bienen lecken den Honig aus den Weiselbechern und bespeicheln ihn dadurch. Dies unterstützt die Akzeptanz und soll den Erfolg bei der Anpflege der Larven garantieren. Am folgenden Tag nehmen wir die Zuchtlatte heraus  und belarven sie mit jungen Larven, nicht älter als 24 Stunden.  Dann kommt die Zuchtlatte wieder in das Pflegevolk auf den zuvor freigelassenen Platz zurück. Nach 2 Tagen kann man sehen, ob die Larven angenommen und angepflegt wurden.

Wir hatten bei unserem ersten Versuch ein sehr gutes Ergebnis, von 11 Larven wurden 10 angepflegt.

Den Zuchtrahmen geben wir wieder zurück in das Pflegevolk, um dort die Königinnen schlüpfen zu lassen. Am 5. Tag nach dem Umlarven sollten die Weiselzellen verdeckelt sein und werden dann mit einem Schutzkäfig "verschult". Das ist erforderlich, damit die zuerst geschlüpfte Königin nicht ihre Rivalinnen töten kann. Wenn der Imker das Verschulen vergisst, beißt die erstgeschlüpfte Königin die restlichen Weiselzellen seitlich auf und sticht die dadurch wehrlosen Schwestern ab. Nicht jede Larve wird auch von den Pflegebienen angenommen, das sieht man an dem vernachlässigten Weiselnäpfchen ganz rechts im Bild. Einerseits kann der Imker die Larve beim Umsetzen verletzt haben oder sie war schon zu alt. Bienen erkennen sehr genau, welche Larve sich für die Anzucht einer Königin eignet und sind mitunter sehr wählerisch.

Nachdem wir die Larven am 19. Mai 2015 umgelarvt haben, ist am 24. Mai 2015 der Termin zum Verschulen der verdeckelten Weiselzellen. Am 30. Mai wäre noch ein letzter Termin, um die Weiselzellen zu verschulen (käfigen). Der Schlüpftag sollte am 31. Mai 2015 sein. Bei der Königinnenzucht sind ein paar Termine sehr genau einzuhalten, um den Zuchterfolg zu gewährleisten. Zwischenzeitlich sollte man schon die Begattungskästchen vorbereiten, um nach dem Schlüpfen der Königinnen alles zur Hand zu haben. Dazu gehört auch das "Einlöten" von Mittelwandstreifen in die Rähmchen des Begattungskästchens. Das Befüllen mit Futter (Staubzucker - Honig - Teig) geschieht am selben Tag vor dem Befüllen mit Pflegebienen und dem Zusetzen der jungen Königin.

 

 

Die Mittelwandstreifen werden mit Bienenwachs (Kerze) "eingelötet"     Im Begattungskästchen sind 3 Rähmchen und ein Futterbehälter für Futterteig

Es werden ca. ein Joghurtbecher voll mit Ammenbienen (von Brutwaben abgefegt) in das Begattungskästchen gefüllt und die Königin über eine verschließbare Öffnung im Schauglas zugesetzt. Anschließend kommt der Deckel darauf. Die Kästchen kommen dann etwa 3 - 4 Tage in Dunkelhaft bei 15 - 20° Celsius. Dadurch wird die soziale Bindung in dem Minivolk hergestellt und die Königin gerne angenommen. Außerdem wird mit dem Wabenausbau begonnen. Dies ist wichtig, damit die Bienen nach dem Aufstellen der Kästchen mit dem Einlagern von Pollen und Nektar beginnen können. Weiters sind Waben zum "Bestiften" (Eier legen) vorhanden, wenn die begattete Königin vom "Hochzeitsflug" zurück gekehrt ist. Das Bestiften beginnt ca. 4 - 5 Tage nach der Begattung.

Für die Begattungskästchen haben wir uns einen Stand gebastelt, der für 12 Kästchen Platz bietet

Die farbliche Kodierung ist erforderlich, damit die vom Hochzeitsflug zurückkehrende Königin in das richtige Kästchen zurück findet. In der Imkerei werden 5 unterschiedliche Farben zur "Zeichnung" der Königinnen und der "Beuten" verwendet. Nachdem eine Bienenkönigin maximal 5 Jahre alt werden kann, sind mehr Farben nicht erforderlich. Anhand der Farbe erkennt der Imker das Geburtsjahr einer Königin und kann diese nach etwa 3 Jahren austauschen.

 

Nach dem "Hochzeitsflug" geht die begattete Königin in etwa 4 - 6 Tagen in Eiablage. Am Flugloch kann man durch Beobachten das Eintragen von Pollen sehen. Das ist ein Anzeichen, dass die Königin vom Begattungsflug zurückgekehrt ist und zu Brüten beginnt. Der Begattungsflug kann bis zu 3 mal durchgeführt werden, je nach Erfolg der einzelnen Begattung. Wenn der Königin während ihrem Ausflug nichts zustößt, kehrt sie umgehend zu ihrem Stock (Begattungskästchen) zurück. Freßfeinde und schlechte Witterung können die Arbeit des Imkers zunichte machen. Der Erfolg liegt bei der Standbegattung bei etwa 70 %.

Nachdem die Königin glücklich zurückgekehrt ist und zu Brüten beginnt, kann der Imker die "Dame" im Begattungskästchen leicht finden und in einen Zeichnungsbecher setzen. Sie wird dann mittels Schwämmchen fixiert und bekommt dann die Jahresfarbe mit fortlaufender Nummer auf den Rücken des Brustpanzers geklebt. Wir verwenden dafür normalen Express - Holzleim. Dieser bindet innerhalb 4 Minuten ab und fügt der Königin keinen Schaden zu. Anschließend kann die junge Königin einem weisellosen Volk zugesetzt werden. Oder es wird ein Volk mit einer jungen Königin besetzt. In diesem Fall ist die alte Königin zu entnehmen und frühestens 2 - 3 Stunden später die junge Königin zugesetzt. In dieser Zeit bemerken die Bienen die Weisellosigkeit und beginnen unruhig zu werden. Die Annahme der jungen Königin ist dann weniger risikoreich. Eine beinahe 100 %ige Annahme ist somit möglich.

Nach dem Zeichnen der jungen Königin wird sie in einen Zusetzkäfig unter Futterteigverschluß gegeben und einem weisellosen Volk zugesetzt. Wir legen erst den Zusetzkäfig mit der jungen Königin auf die Leisten über dem Brutraum. Dabei kann man beobachten, ob die Bienen die Königin annehmen werden. Strecken die Bienen ihren Rüssel heraus, um der Königin Futter zu reichen, ist mit einer positiven Annahme zu rechnen. Der Zusetzkäfig mit der Königin wird dann mittels Zahnstocher zwischen zwei Brutwaben mit junger Brut eingehängt. Die Bienen fressen den Futterteig und befreien dadurch die Königin aus dem Zusetzkäfig. Dies dauert etwa ein bis zwei Tage, eine bessere Gewöhnung und Akzeptanz der neuen Königin erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Bienen ihre neue Stockmutter annehmen.

 

Farbkodierung: 

      

Die Farbenkodierung für die Königinnenzeichnung, 2015 hat die Farbe Blau - Königin mit Geburtsjahr 2015

 

 

home